Warum vergleichen selten hilft
- Viola Baumert

- 14. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels sind bewusst vereinfacht und sollen eine erste Orientierung bieten. Viele Themen rund um Hunde und Hundetraining sind komplex und lassen sich nicht auf ein einfaches „richtig“ oder „falsch“ reduzieren. Die Gedanken in diesem Artikel spiegeln meine persönliche Sichtweise, meinen aktuellen Wissensstand und meine Erfahrungen wider. Sie ersetzen keine individuelle Beratung und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
„Der Hund meiner Nachbarin kann das schon.“
„Auf Instagram läuft jeder Hund perfekt an lockerer Leine.“
„Der Welpe aus der Spielgruppe bleibt schon alleine zuhause.“
„Warum klappt das bei uns nicht?“
Kommt dir das bekannt vor? Dann bist du nicht alleine.
Vergleichen ist menschlich
Mit anderen Hundehalterinnen und Hundehaltern.
Und manchmal auch mit Bildern und Videos in den sozialen Medien.
Das ist völlig normal. Schwierig wird es erst, wenn wir daraus ableiten, dass wir oder unser Hund nicht gut genug sind.
Jeder Hund bringt andere Voraussetzungen mit
Kein Hund gleicht dem anderen.
Rasse, Alter, Erfahrungen, Gesundheit, Persönlichkeit und die Umwelt können beeinflussen, wie ein Hund lernt und wie schnell er sich entwickelt.
Manche Hunde lernen bestimmte Dinge sehr schnell. Andere benötigen mehr Zeit.
Und beides ist völlig in Ordnung.
Auch Menschen sind unterschiedlich
Nicht nur Hunde unterscheiden sich.
Auch wir Menschen bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit.
Zeit, Erfahrung, Lebensumstände, Erwartungen und persönliche Werte können beeinflussen, wie wir mit unserem Hund leben und trainieren. Deshalb ist auch der Vergleich zwischen Mensch-Hund-Teams oft nur bedingt sinnvoll.
Social Media zeigt selten den ganzen Alltag
Ein schönes Foto oder ein kurzes Video zeigen meist nur einen kleinen Ausschnitt.
Sie zeigen selten:
die Rückschritte,
die Zweifel,
die anstrengenden Tage,
oder die vielen kleinen Schritte, die einem Erfolg vorausgegangen sind.
Das bedeutet nicht, dass diese Bilder falsch sind. Aber sie erzählen eben nicht die ganze Geschichte.
Entwicklung verläuft selten geradlinig
Es gibt Tage, an denen alles wunderbar klappt. Und es gibt Tage, an denen man das Gefühl hat, wieder ganz am Anfang zu stehen. Das gehört zum Lernen dazu.
Entwicklung verläuft selten in einer geraden Linie. Rückschritte, Veränderungen und neue Herausforderungen sind ein normaler Teil des Zusammenlebens mit Hund.
Vielleicht vergleichst du gerade die falschen Dinge
Vielleicht schaut dein Hund draussen noch nicht entspannt an anderen Hunden vorbei.
Dafür kann er vielleicht wunderbar zur Ruhe kommen.
Vielleicht klappt der Rückruf noch nicht immer.
Dafür vertraut dir dein Hund in schwierigen Situationen.
Vielleicht braucht ihr für manche Dinge länger.
Dafür seid ihr an anderen Stellen schon weit gekommen.
Nicht alles, was wichtig ist, lässt sich in Sekunden messen oder auf Fotos festhalten.
Der einzige Vergleich, der wirklich hilfreich sein kann
Wenn du vergleichen möchtest, dann vielleicht mit euch selbst.
Wo standet ihr vor sechs Monaten?
Was ist heute einfacher geworden?
Welche kleinen Fortschritte habt ihr gemeinsam geschafft?
Denn oft vergessen wir im Alltag, wie weit wir eigentlich schon gekommen sind.
Mein persönlicher Rat
Du musst nicht den schnellsten Hund haben. Nicht den bravsten.
Und auch nicht den Hund, der auf jedem Foto perfekt aussieht. Viel wichtiger ist, dass ihr euren eigenen Weg findet. Einen Weg, der zu euch passt.
Denn Hundetraining ist kein Wettbewerb und Entwicklung braucht keine Stoppuhr.
Sie braucht Zeit, Geduld und manchmal auch den Mut, den Blick wieder auf das eigene Mensch-Hund-Team zu richten.
Denn am Ende musst du nicht besser sein als andere. Sondern einfach ein Stück weiter als gestern.


