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Logbucheintrag #14: Partyschuhe, Muskelkater & eine wählerische Kapitänin

  • Autorenbild: Thalia
    Thalia
  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Worum geht es in Thalias Logbuch? Thalia ist Kapitänin auf vier Pfoten und erzählt hier von ihren Abenteuern auf hoher See, auch wenn sich diese meist zwischen Waldwegen, Bergen und dem heimischen Sofa abspielen.

Inspiriert sind die Geschichten von ihrem echten Leben mit Hundehalterin und Hundetrainerin Viola.

Der Rest wird ausgeschmückt, dazugedichtet und mit reichlich Seemannsgarn versehen.

Das Logbuch dient einzig dem Vergnügen, nicht der wissenschaftlichen Übersetzung von Hundegedanken.

Datum: Ein spätsommerlicher Tag, an dem die Ferien langsam von Bord gehen

Position: Wieder im Heimathafen mit einem kurzen Abstecher auf die Tanzfläche und reichlich Seegang in der Kombüse

Wetter: Noch immer verdächtig warm, aber erste Hoffnung auf kühlere Gewässer


Ahoi, ahoi vom frisch geschrubbten Deck! Die Sommerferien sind von Bord gegangen und unser Schiff sticht wieder voller Elan in neue Abenteuer.

Doch während der Liegestuhl noch ausgeklappt war und ich alle vier Pfoten von mir gestreckt hatte, war an Bord trotzdem einiges los.

Also rein damit ins Logbuch!


Denn nur wer seine Abenteuer ordentlich festhält, wird irgendwann zur Legende.

Wobei ich gehört habe, dass Legenden ihre Geschichten normalerweise nicht selbst aufschreiben. Praktisch also, dass ich einen Menschen dafür habe.


Denn eines steht zweifellos fest:

Ich, Thalia, Kapitänin auf vier Pfoten, bin auf bestem Weg, eine Legende zu werden.

Nun denn. Feder und Tinte bereit, treue Zweibeinerin. Lass uns Geschichte schreiben.

Wieder einmal.


Partyschuhe so glitzernd wie Fischschuppen

Wer mich kennt, kennt auch meine kleine Schwäche. Schuhe.

Nicht zum Anziehen! Diese Dinger an meinen eigenen Pfoten fände ich vermutlich ekliger als einen Piraten am Waschtag.

Ich meine natürlich die Schuhe meiner Menschen. Sauber, schmutzig, hoch, flach, flauschig oder ledrig, völlig egal. Hauptsache, man kann sie gelegentlich zweckentfremden und damit demonstrieren, dass handelsübliche Kauartikel völlig überbewertet sind. Mittlerweile mache ich das übrigens fast gar nicht mehr. Regel ist Regel. Meistens.


Eines Tages war es wieder einmal verdächtig ruhig im Haus. Mein Mensch sass vor diesem schwarzen Kasten, den ihr „Laptop“ nennt, und tippte eifrig darauf herum.

Da ertönte plötzlich die Schiffsglocke. DING DONG!

Sofort schlug ich Alarm.

Eindringling vor dem Schiffsbug!

OBACHT! EINDRINGLING! EINDRINGLING!


Mit einer klaren Handbewegung wurde ich auf meinen Platz beordert.

Pah. Gebannt und nur leicht beleidigt wartete ich dort wie ein Engel.

Die Tür ging auf. Kein Mensch. Dafür ein Paket. Auch gut.

Mein Mensch schleppte die Beute herein, öffnete den grossen Karton und holte daraus einen kleineren Karton. Einen Schuhkarton.


Meine Nase wusste sofort: Hier stimmt etwas.

Kurz darauf klingelte es erneut. Diesmal aus diesem winzigen Kasten, den Zweibeiner gefühlt rund um die Uhr in der Hand halten, als wären darin sämtliche Goldmünzen der Welt versteckt.

Mein Mensch stellte den Schuhkarton auf den Boden und begann gleichzeitig zu telefonieren und wieder auf ihrem Laptop herumzutippen. Ein fataler Fehler.


Meine Chance war gekommen. Ich schlich zum Karton und stubste ihn vorsichtig an.

Raschel.

Oho!

Noch einmal.

Raschel, raschel.

Mit meiner Nase öffnete ich den Deckel. Und da lagen sie.

Glitzernd wie frisch gefangene Fischschuppen im Sonnenlicht.

Zwei wunderschöne neue...

Kauartikel!

Ich wählte einen aus. Ganz langsam. Ganz unauffällig.

Und wackelte mit meiner Beute stolz Richtung Schlafplatz.

Seltsamerweise hatte dieser Kauartikel einen langen dünnen Stock an der Unterseite. Vermutlich eine neue ergonomische Bauweise.

Ich legte mich hin und begann genüsslich mit der Qualitätskontrolle.

Für ungefähr fünf Sekunden. Dann machte es: ZACK!

Kauartikel weg.

Ein deutliches „Nein“. Und der Schatz verschwand wieder im Karton.

Nun denn. Offenbar sind Partyschuhe nicht für Hunde.

Wieder etwas gelernt.


Muskelkater einer Spitzensportlerin

Nach meinem ausgedehnten Bergurlaub hätte man meinen können, ich kehre als austrainierte Hochleistungssportlerin zurück. Schliesslich wurde gewandert.

Und gewandert. Und hatte ich erwähnt, dass wir gewandert sind?


Zuerst hielt ich selbstverständlich hervorragend mit. Eine Kapitänin zeigt schliesslich keine Schwäche. Bis mein Körper einige Tage später offenbar beschloss, eine offizielle Beschwerde einzureichen.

Plötzlich bewegte ich mich ungefähr so geschmeidig wie ein hundertjähriger Pirat mit Holzbein. Aufstehen? Mühsam. Noch eine grosse Runde?

Seid ihr wahnsinnig geworden?


Mein Mensch betrachtete mich besorgt. Ich betrachtete mein Körbchen.

Das Körbchen gewann. Also wurde der Trainingsplan kurzerhand gestrichen und stattdessen das Wellnessprogramm eröffnet. Ruhe. Kurze Runden. Viel Schlaf.

Und sogar Massagen! Herrlich.


Wenn das die Behandlung für Muskelkater ist, werde ich vielleicht künftig öfter behaupten, meine Hinterbeine seien müde. Rein medizinisch natürlich.

Ein paar gemütliche Tage später war der Spuk vorbei und ich wieder vollständig seetüchtig. Heute flitze ich wieder über Deck, als wäre nie etwas gewesen.

Spitzensportler brauchen eben Regeneration.

Aufstand in der Kombüse

Kaum waren meine Muskeln wieder einsatzbereit, eröffnete sich die nächste Krise.

Das Essen. Normalerweise bin ich eine durchaus zuverlässige Abnehmerin der Bordküche. Doch plötzlich stand mein Napf da und ich dachte: Nope.

Am nächsten Tag: Auch nein. Mein Mensch servierte. Ich schnupperte.

Ich sah sie an, sie sah mich an und....ich ging.


Natürlich wurde sofort kontrolliert, ob mit mir sonst alles in Ordnung war.

War es. Spaziergänge? Grossartig. Leckerli? Interessant.

Blödsinn machen? Jederzeit.

Nur mein normales Essen entsprach plötzlich nicht mehr den hohen kulinarischen Standards einer Kapitänin.

Es wurde gerätselt, und die Extras für Leckereien nahmen Form an. Alles was mein Herz begehrt, nur damit ich mein Essen auch vertilgte. Nur haben sie die Rechnung ohne meine feinste Inspektionsnase gemacht. Ich kann da nämlich drumherum essen und mir nur die Leckereien herauspicken. Hehe.

Und dann, zwei Tage später war der Spuck vorbei und meine Tage als anspruchsvolle Feinmeckerin, ähm, Feinschmeckerin, gezählt.

Der gewöhnliche Napf stand vor mir ohne Upgrade und...ich ass. Als wären die letzten zwei Tage und die Sorgenfalten auf der Stirn meines Menschen nie existent gewesen.


Eine Kapitänin darf ihre Kombüse doch wohl gelegentlich einer Qualitätsprüfung unterziehen, oder?


Die Moral der Geschichte?

Manchmal entpuppen sich glitzernde Kauartikel als Partyschuhe, Spitzensportler brauchen plötzlich eine Massage und selbst die zuverlässigste Bordküche wird gelegentlich kritisch überprüft.


Wichtig ist nur, dass man seine Abenteuer mit Würde trägt.

Und wenn möglich dafür sorgt, dass jemand anderes sie aufschreibt.

Schliesslich entstehen Legenden nicht von allein.


Partyschuhe gerettet. Muskeln regeneriert. Kombüse wieder freigegeben.


Eure Kapitänin Thalia 🐾⚓🏴‍☠️


 
 

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